Bandscheiben bestehen aus einem mehrschichtigen Faserknorpelring, in deren Mitte der Bandscheibenkern (Gallertkern) liegt. Durch den Faserknorpelring erhält die Bandscheibe die nötige Stabilität, der Gallertkern sorgt wie ein Puffer für eine Dämpfung zwischen den knöchernen Wirbelkörpern. Ein Bandscheibenvorfall, auch genannt Bandscheibenprolaps, liegt dann vor, wenn der Gallertkern alle Schichten der Faserknorpelringe durchbricht und aus der Bandscheibe austritt.
Man unterscheidet dabei verschiedene Formen des Bandscheibenvorfalls:
- Subligamentärer: der Gallertkern drückt gegen das hintere Längsband
- Perforierter Bandscheibenvorfall: der Gallertkern durchbricht das hintere Längsband
- Sequestierter Bandscheibenvorfall: der ausgelaufene Gallertkern hat keinen Kontakt mehr zur restlichen Bandscheibe
- Medialer Bandscheibenvorfall: der Gallertkern drückt direkt auf das Rückenmark
- Lateraler Bandscheibenvorfall: der Gallerkern drückt auf die seitlichen Nervenwurzeln
Ein ähnliches Krankheitsbild tritt bei einer Bandscheibenprotrusion auf, wobei der Gallertkern die inneren Schichten des Faserknorpels durchdringt, die äußeren Schichten jedoch intakt bleiben. Der Gallertkern tritt nicht nach außen aus, es entsteht allerdings eine Vorwölbung der Bandscheibe, die auf das Rückenmark, die seitlichen Nervenwurzeln oder das hintere Längsband drücken kann.
Die Ursachen für eine Bandscheibenprotrusion oder einen Bandscheibenprolaps sind die gleichen: Da die Bandscheibe ähnlich wie ein Wasserkissen zu über 70 % aus Wasser besteht, braucht sie für ihre uneingeschränkte Funktion eine gleichmäßig verteilte Druckbelastung. Bei einseitigen, unphysiologischen Belastungen verschiebt sich die Flüssigkeit zusammen mit dem Gallertkern und sorgt so für eine extreme, einseitige Zugspannung auf den Faserringen. Ist die Spannung zu groß, reißen entweder nur die inneren oder alle Faserringe. Degenerative Prozesse tragen ebenfalls zu diesen Krankheitsbildern bei.
Ein Bandscheibenvorfall oder eine Protrusion äußern sich in stechendem Rückenschmerz, wobei eine Bewegungssperre im betroffenen Wirbelsäulensegment sowie ein Ausstrahlen des Schmerzes in ein oder beide Beine typische Begleiterscheinungen sind. Weitere Symptome können Lähmungen oder andere nervale Ausfallerscheinungen sein.
Therapie: Bei der Behandlung beider Krankheitsbilder steht zu Beginn die Schmerzreduktion durch Stufenlagerung, Extensionsbehandlung (Entlasten der Wirbelsäule durch schonendes Auseinanderziehen der Wirbelkörper) und Wärmebehandlung im Focus. Zur Linderung können auch schmerzhemmende oder muskelentspannende Medikamente beitragen. In schweren Fällen mit neurologischen Ausfallerscheinungen erfolgt eine Operation, wobei es je nach betroffenenm Wirbelsäulensegment unterschiedliche Verfahren gibt.
Hat der Akutschmerz nachgelassen, sollten rückenschonende, funktionelle Verhaltensweisen und Bewegungsabläufe (z. B. im Rahmen einer Rückenschule oder Physiotherapie) angeeignet und im Alltag konsequent umgesetzt werden. Darüber hinaus ist ein muskuläres Aufbautraining der rumpfstabilisierenden Muskulatur unabdingbar, um einem erneuten Bandscheibenvorfall vorzubeugen.