Der Erziehungsauftrag des Trainers

Letzte Woche gab es eine Rundmail vom BFV mit dem Thema “Steigende Aggressivität und erhöhte Gewaltbereitschaft im Jugendfußball”. Die Gesprächsrunden beschränken sich bei diesem Thema immer auf die Altersgruppe 14-18 Jahren. In diesem Alter entwickeln die Kinder schon alleine durch die Pubertät und das erhöhte Testosteron dieses Verhalten.

Für mich viel Interessanter ist jedoch die Frage, wo diese Aggression entsteht. Den in meinen Augen muss man viel früher ansetzen. Bereits bei den kleinsten im Alter von 8-9 Jahren sprechen Trainer, und zwar die Mehrheit nicht die Minderheit, von Aggressivität im Zweikampf und das die Jungs sich einfach mal hart durchsetzen sollen. Auch das abschaffen der Tabellen hat hier in meinen Augen kaum einen Effekt gezeigt, da die Eltern sich selbst Tabellen errechnen und der erste Platz in der Tabelle selbst bei den kleinsten schon das wichtigste Ziel ist.

Zitat aus der Zeitung letzte Woche: ” Selbst bei den kleinsten Fußballern häufen sich Vorfälle wie Tätlichkeiten!” Ein 11 Jähriger früher hat seinen Gegner auch mal geschubst, aber eine Tätlichkeit habe ich nie erlebt in meiner E oder F- Jugend Zeit. Und genau hier beginnt der Erziehungauftrag eines Trainers. Selbst meine besten Jungs wissen, dass sie wenn sie einen Gegner schubsen oder auch nur versuchen nach zu treten, dann werden sie sofort ausgewechselt und ihnen erklärt das es nicht geht. Im Wiederholungsfall ist das Spiel für sie beendet. Anschreien ist für mich der genauso falsche Weg, denn dann bekämpfe ich Aggression mit Aggression. Als Trainer sollte ich versuchen den Kindern nicht nur Fußball sondern auch Werte der Gesellschaft zu vermitteln. Da ist es sicher in Ordnung, den Jungs zu sagen, dass sie Willen brauchen um Spiele zu gewinnen, dass sie in die Zweikämpfe gehen sollen, dass sie keine Angst haben sollen vor Gegnern oder auch vor Fehlern. Aber das Wort Aggression oder auch das anstacheln hat in meinen Augen nichts auf dem Kleinfeld verloren. Wenn ich schon mit 8-11 vermittelt bekomme, dass es beim Fußball einfach dazu gehört so zu sein, dann braucht man sich nicht wundern,dass dann, wenn später noch die Pubertät dazu kommt, Spieler und Spiele enstehen die mittlerweile Zitat: ” ein Grund zur Besorgnis sind!”

In diesem Alter gibt es kein Geld, keine Schale und keine Prämien, die Aggressionen entstehen später von selbst und deswegen denke ich dass wir nicht in der C-Jugend ansetzen sollten, diese Stimmung die im Fußball immer präsenter wird wieder  zurück zu fahren, sondern ganz unten. Schon die Kleinsten sollte andere Werte kennen lernen.

Vor nicht all zu langer Zeit hat man aggressiven Jugendlichen noch geraten ” Geh zum Fußball kanalisiere deine Energie und deinen Willen für was Positives und lass sie nicht auf der Straße raus.” So genannte “schwierige Jugendliche” wurden beim Fußball eingefangen und in positive Mitglieder der Gesellschaft verwandelt. Heut zu Tage scheint der Weg in eine andere Richtung zu gehen. Die Aggressivität entsteht da wo sie eigentlich in was Positives verwandelt werden sollte.

Vielleicht sollten wir Trainer uns mal wieder zurückerinnern, dass unsere Aufgabe im Amateuerbereich in erster Linie mal darin  lag Kinder von der Strasse zu holen und ihnen Spaß und gewisse Werte zu vermitteln. Ich gehe sogar so weit, dass der deutliche Anstieg der Jugendkriminalität auch zu einem Teil durch diese Entwicklung im Fußball weg von diesen Werten begünstigt worden ist. Früher hatte man mal Angst in der B oder A-Jugend wenn man zu bestimmten Vereinen musste, heute hat man diese Angst schon in der E.

Ich hoffe dieser Trend den auch der BFV schon erkannt hat ist zu stoppen und wir können den Fußball wieder zu der Sportart machen die wie früher Jungs von der Strasse holt und ihnen Wege aufgezeigt hat und zwar in eine positive Zukunft und nicht in eine Negativere.

Matias BlasenbreuDieser Artikel wurde am 10.April 2011 von geschrieben. Mehr über Matias Blasenbreu: Name.: Matias Blasenbreu Geboren: 13.09.1984 Schule und Studium: Abitur 2004, Dipl.Sportmanager 2009 Vereine als Trainer: TSV Solln, TSV Grünwald Vereine als Spieler: TSV Solln, TSV Grünwald, TSV Forstenried, TSV 1860 München In der MFS...


3 Antworten: “Der Erziehungsauftrag des Trainers”

  1. Inga Joehren sagt:

    Wie ich finde, ein sehr treffender und guter Beitrag! Nur, wie bringt man das Vereinen und Trainern, die diese Kinder und Jugendlichen betreuen sollen, bei? Sollte da nicht mehr von übergeordneter Stelle kommen (BFV, DFB)? Ich denke, wer solch aggresive Treter-Spielweise anordnet, propagiert und für gut heisst, sollte vom Spielbetrieb (zumindest für einen gewissen Zeitraum) ausgeschlossen werden, eine entsprechende Strafe auferlegt bekommen und besser kontrolliert werden. Wir haben es am Wochenende am eigenen Kind erfahren müssen, dass man einfach mal aus Aggression mit dem Stollenschuh am Boden liegend gegen den Kopf getreten bekommt und vom Trainer der Junge dann noch belobigt wird. Und wenn ich mich dann nach ähnlichen Angriffen dieser Art und sogar noch einer “Ohrfeige” gegen ein Kind unserer Mannschaft und keinen einzigen Verweis des Unparteiischen (?), mit dem “Vereinspräsidenten” darüber streiten muss, ob solch eine “Herangehensweise” bei 10 jährigen der Wunsch der Eltern und des Vereins ist, dann weiss ich wirklich nicht mehr wo das enden soll!?

  2. Matias Blasenbreu Matias sagt:

    Hi Inga,

    das Problem ist, dass der Verband nicht jedes Wochenende die unglaubliche Anzahl an Spielen kontrollieren kann und mit neutralen Personen besetzen kann. Solche Vorfälle werden aber gemeldet und solche Vereine stehen dann unter Beobachtungen des Verbandes der auch im Kleinfeld dann unangekündigt Spiele besucht…es dauert meistens etwas aber wegschauen tut der Verband nicht mehr, gerade jetzt wo er die Entwicklung erkannt hat sind die da sehr hinterher. Nur traurig ist es schon, dass wir die Hilfe des VErbandes brauchen um zu erkennen das wir uns falsch verhalten, es dann aber meistens trotzdem nicht einsehen, dass es falsch war…

    lg

  3. Britta Denner sagt:

    Auch ich finde den Artikel, wie es sein sollte hervorragend.
    Sicherlich ist es für den Verband schwierig bei der Anzahl der Spiele ein Auge darauf zu haben, aber bei konkreten Hinweisen muss meiner Meinung nach konkret auch vorgegangen werden.
    Es kann nicht sein, dass derartigem Trainergebaren nicht Einhalt geboten wird.
    Das Produkt seiner Arbeit konnten wir leider miterleben, das Erschreckende daran war vor allem, mit welcher Abgebrühtheit ein 10-jähriger seinem Gegenspieler, der bereits am Boden liegt, gegen den Kopf tritt.(dies war auch nicht der einzige Vorfall).
    Auf eigene Einsicht braucht man in diesem Fall ,glaube ich, nicht zu hoffen.
    Und Kinder die unter solchem Einfluss stehen, werden sich später wundern, warum sich alle so aufregen, weil er jemanden grundlos tätlich angegriffen hat, wo er doch damals auf dem Fußballplatz dafür gelobt wurde. Und wenn dann was passiert ist, fragen alle nach dem warum, und das Geschrei ist groß.
    Deshalb hoffe ich, dass die Möglichkeiten die den Verantwortlichen zur Verfügung stehen genutzt werden, damit in Zukunft solche Trainer von Kindern ferngehalten werden.

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