Verschiedene Formen von Druck auf Kinder

Wie schon im Artikel “Achtung Papas!” dargelegt, ist für die Kinder der Spaß am Sport und ein Lob von den Eltern mit die größte Motivation ihrem Hobby nachzugehen. Kinder werden heutzutage einer immer größeren Menge von Druck ausgesetzt. Eltern erwarten Ehrgeiz und gute Leistungen in der Schule, dazu muss jedes Kind noch mindestens ein Musikinstrument perfekt beherrschen und lernen und schließlich soll es auch noch im Sport ehrgeizig und erfolgreich sein. Natürlich muss man die Talente der Kinder fördern, aber gerade wenn man so viele verschieden Dinge von den Kindern fordert muss man aufpassen sie nicht zu überfordern. Vor kurzen wurde eine Studie veröffentlicht, nach der 40% der Kinder in der Pupertät aufhören ihren Sport auszuüben, weil sie sich nicht weiter dem Druck ihrer Eltern aussetzen wollen. Die Dunkelziffer liegt laut Autor weit höher, da viele Jugendliche, die dann andere Gründe angeben, wie die erste Freundin oder zu wenig Zeit, sich aber letztendlich auch nur aus dem Leistungsdruck befreien wollen. Ich denke aber vielen Eltern ist gar nicht bewusst, auf wie viele verschiedene Arten sie manchmal auch unbewusst Druck auf ihre Kinder ausüben, die diese dann in ihrem Leistungsvermögen hemmt, was dann wiederum zu einem schlechten Spiel führt, wodurch beim nächsten Spiel wieder neuer Druck aufgebaut wird. Gerade das zeigt sich auch im Trainingsalltag häufig, viele Teams trainieren super, und können nur wenig davon an den Spieltagen umsetzen, der Trainer, der eigentlich keinen Druck ausübt, fragt sich dann oft warum die Kinder so gehemmt und ängstlich in Spiele gehen und dort nichts von der Trainingsleistung rüberbringen können. Hört man sich dann mal im Hintergrund um erkennt man auf wie viele verschiedene Arten die Kinder gepuscht werden sollen. Verschieden Formen die oftmals auch gut gemeint sind möchte ich im folgenden einmal Zusammenfassen.:
 

1.) Gut gemeinter Prämien

Einige Väter versprechen ihren Kinder für Tore oder in ihren Augen gute Leistungen Trikots, neue Schuhe oder sonst irgendwelche Prämien. Diese oft gut gemeinten Prämien können bei Kindern aber ganz anders ankommen, als wir Erwachsenen uns das erwarten. Ein Kind geht dann oftmals nicht motivierter sondern verunsicherter ins Spiel, gerade die Aussicht für ein Tor etwas besonderes zu bekommen, lässt  junge Kinder im Abschluss  nervös und unsicher werden.
Die andere Möglichkeit sind Kinder die dann völlig übermotiviert unbedingt etwas gutes und richtiges machen wollen und versuchen alleine ein Spiel zu entscheiden. Auch dass setzt für  die Entwicklung der Kinder bei einem Mannschaftsport ein völlig falsches Signal, man erzieht die Kinder zu Individualisten und das geht bei Teamsportarten selten gut.

2.) Kein Lob zu Hause

Auf ihre Fehler werden Kinder meistens schon vom Trainer aufmerksam gemacht. Einige Väter neigen dazu, zu Hause nur zu kritisieren. Natürlich kann man Kinder für ein schlechtes Spiel auch einmal kritisieren, konstruktiver und weniger frustrierend ist für Kinder aber in jedem Fall ein guter Tipp oder ein nett formulierter Rat, als der Hinweis auf Fehler. Kindern permanent alle ihre Fehler vorzuhalten und aufzuzählen verbessert diese nicht.
Außerdem sehnt sich jedes Kind nach dem Lob seiner Eltern, und gerade dort liegt oftmals ein ebenso großes Problem. Es hagelt Kritik und Vorwürfe nach schlechten Spielen, umgekehrt ist das Lob nach guten Spielen und tollen Aktionen aber minimal, da es als Selbstverständlich angesehen wird. Das Kind wird mit jeder Kritik frustrierter versucht alles zu geben ihr zu entfliehen und erntet für diesen Einsatz oft nur wenig Lob, diese Frustration führt oftmals dazu, wie die oben erwähnte Studie bewiesen hat, dass Kinder sobald sie ihre eigenen Meinungen durchsetzen können aufhören mit ihrem Sport, solange sie noch zu jung für diesen Schritt sind hemmt es ihre Leistungen und zieht sie in eine Art negative Spirale.

3.) Erzwungenes Training

Kinder sollten sollten ihren jeweiligen Sport immer dann ausüben wenn sie Lust dazu haben. Natürlich gehört zueinem Mannschaftsport auch das erlernen von Disziplin und regelmäßigen Training, alles was zusätzlich getan wird, sollte aber freiwillig geschehen. Erzwungenes Training, bei dem das Kind unmotiviert ist und wenig Lust hat, hat so oder so nur einen marginalen Effekt. Man kann seinem Kind alles ermöglichen, auch 5 Trainingseinheiten die Woche, aber nur solange es von selbst und freiwillig Lust darauf hat. Es ist oftmals gut gemeint, zu versuchen seinem Kind zu helfen besser zu werden, jeder Zwang gerade in jungen Jahren tötet aber den Spaß. Jeder deran seinem Sport Spaß hat kann sowieso nicht genug davon bekommen. Jedes Kind, dass gerne Fußball spielt und Spaß am Training hat, verbringt doch so oder so jede freie Minute mit Ball und besucht auch jedes Training freiwillig und ohne Druck.

4.) Verbote und Mißachtung

Eine in meinen Augen mit der schlimmsten Formen wie man Kinder unter Druck setzen kann sind Verbote oderMißachtung. Kindern für schlechte Leistungen egal ob in der Schule oderbeim Sport, zum Beispiel das Computerspielen oder Fernsehen zu verbieten, hat in den seltensten Fällen einen positiven Effekt und wenn werdenes Einzefälle sein. Verbote führen meistens zu Trotzreaktionen und wie schon mehrmals erwähnt verlieren die Kinderdadurch auf Dauer jeden Spass und jede Lust an Fußball. Eine der schlimmsten Strafen für die eigenen Kinder istdie Mißachtung. Väter die nach schlechten Leistungen nicht mehr mit ihren Kindern sprechen verunsichern diese zutiefst. Psychisch ist dies für Kinder eine immense Belastung und der Druck bei jeder Aktivität egal ob Schule, Musik oderSport wächst ins unermeßliche.

 

Letztendlich haben die Trainer die Aufgabe den Kindern zu zeigen, was sie gut und was schlecht gemacht wurde. Natürlich kann ein Trainer Kinder auch mal bestrafen und für jedes Kind ist es am schlimmsten wenn es mal ein Spiel auf der Bank sitzen muss oder etwas ähnliches, die Strafe einer “neutralen” Person wie dem Trainer ist für ein Kind aber sehr viel weniger belastend, wie die Strafen der eigenen Eltern.
Liebe Eltern sucht bevor ihr Strafen oderMotivation Versuche selbst in die Hand nehmt doch erst einmal das Gespräch mit dem jeweiligen Trainer, oftmals hat dieser schon eine Idee oder selbst eine Strafe ausgesprochen, so dass eine Bestrafung zu Hause eine doppelte und noch frustrierendere Sache wäre.

Matias BlasenbreuDieser Artikel wurde am 11.Oktober 2010 von geschrieben. Mehr über Matias Blasenbreu: Name.: Matias Blasenbreu Geboren: 13.09.1984 Schule und Studium: Abitur 2004, Dipl.Sportmanager 2009 Vereine als Trainer: TSV Solln, TSV Grünwald Vereine als Spieler: TSV Solln, TSV Grünwald, TSV Forstenried, TSV 1860 München In der MFS...


4 Antworten: “Verschiedene Formen von Druck auf Kinder”

  1. sehr gelungener Artikel Matze!
    kleine Geschenke wirds nach erfolgreichen Spielen wohl immer geben…man sollte aber eine gesunde Mischung finden und Kinder auch nach “schwächeren” Leistungen belohnen. Man darf es nicht nur erfolgsabhängig machen, da geb ich dir absolut recht! Es ist einfach wichtig nach jedem Spiel, auch wenn es kein gelungenes war, das positive rauszuziehen und das ganze in eine kurze motivierende Ansprache zu packen…somit hast du schon den größten positiven Effekt erzielt!

  2. Michael M. sagt:

    Hallo Matias,

    super Artikel. Da ich selber auch Vereinstrainer bin, habe ich auch schon häufig ähnliche Erfahrung machen müssen. Werde “meinen” Spielereltern den Link zu dem hervoragenden Bericht schicken, vielleicht führt das zu einem Nach- und Umdenken.
    Danke für die Hilfe und weiter so!!!
    Sportliche Grüße M.

  3. markus sagt:

    Unser Trainer schreit immer alle an.

  4. Chris Reitter sagt:

    Hey Matias,
    wirklich gut geschrieben. Ich kann dir nur zustimmen!!!

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