Athletisches Anforderungsprofil im Fußball

Dieser Beitrag stellt in kurzen Sätzen das Leistungsprofil im Fußball vor. Dabei sind sowohl Faktoren der allgemeinen Kondition wichtig, als auch der speziellen Kondition. Die Faktoren der allgemeinen Kondition, die im Fußball wichtig sind, wären Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und die koordinativen Fähigkeiten. Als Faktoren der speziellen Kondition treten v.a. Schnellkraft, Kraftausdauer und Schnelligkeitsausdauer in Erscheinung.
Im Folgenden werden die einzelnen Faktoren in Stichworten beleuchtet. Dabei wird das Spiel in seiner Charakteristik kurz beschrieben, ehe dann die Folgen für die jeweilige konditionelle Eigenschaft dargestellt werden.
Allgemeine Kondition

Ausdauer:
90 Minuten ständig in Bewegung
Aktionen mit und ohne Ball mit höchster Konzentration
Ständige Tempowechsel: hohes und höchstes Tempo, Richtungsänderungen, langsame Läufe, Gehpausen, Trabpausen;  Summe: 6-10 Km pro Spiel im Amateurbereich – bis zu 15 Km im Profibereich
Sehr hohe Gesamtleistung, zu bewältigen nur durch gute allgemeine Ausdauer
Training darf sich nicht an Langstreckenläufer orientieren, sondern muss auf die genannten Tempowechsel abgestimmt sein.
Training durch Fahrtspiel und extensives Intervall
Dauermethode nur ganz zu Beginn der VP
Ausdauerformen:
1. allgemeine aerobe Ausdauer zur laufenden Regenerationsfähigkeit
2. allgemeine anaerobe Ausdauer bei z.B. relativ langandauernden Gegnerdruck für 20-60 Sekunden
3. lokal anaerob für die kurzen und intensiven Sprint- und Zweikampfbelastungen
Schnelligkeit:
Max. Laufstrecken in hohem und Höchstem Tempo zwischen 5 und 35 m
Kürzere, schnelle, explosive oder längere Sprints
Schnelle Drehungen, Täuschungen, Richtungsänderungen mit und ohne Ball
Allgemein: Fähigkeit, Dribblings, Torschüsse, Täuschungen, Tacklings etc. unter höchstem Gegnerdruck mit Höchstgeschwindigkeit durchzuführen!
Schnelligkeitsformen:
1. Reaktionsschnelligkeit
2. Aktionsschnelligkeit, also z.B. Tricks oder Ballannahmen mit anschließendem Torschuss so schnell wie möglich durchführen
3. Sprintschnelligkeit bedingt durch gute Lauftechnik ( Koordination!) und Sprintfähigkeit
Vorwiegend im Fußball azyklische Schnelligkeit, also z.B. kurze Antritte oder explosive Sprünge
Wichtige Voraussetzungen:
gute Koordination der Teilbewegungen ( Kopplungsfähigkeit), allgemeine Gewandtheit und Geschicklichkeit, Schnellkraft der Beinstrecker ( Spez. Kondition), gute Rumpfbeweglichkeit und Rumpfkraft (v.a. Bauchmuskulatur)
Kraft:
Dynamische Kraft: Schießen, Springen, Rempeln
Statische Kraft: im Fußball sehr selten, evtl. beim Blocken des Gegners
Im Fußball Mischung aus Maximalkraft, Kraftausdauer und Schnellkraft ( Spez. Kondition)
Dominierend: Schnellkraft ( Antritte in den freien Raum, Springen, Rempeln)
Diese Leistungen sind sehr oft häufig im Spiel:  hohe Wiederholungszahlen von kurzen Sprints, gutes Kraftausdauerniveau gewährleistet explosive Antritte über die volle Spielzeit
Je besser ein Spieler allerdings schießen, springen, sprinten will, desto mehr Kraft muss umgesetzt werden, d.h. Maximalkraft muss als Grundlage gesehen werden (Beine, Rumpf für Kopfball, Einwürfe…)
Beweglichkeit und koordinative Fähigkeiten:
Keine sportliche Bewegung effektiv, wenn nicht ausreichend Beweglichkeit und Koordination vorhanden ist.
Im Fußball sind Spielsituationen ohne dies nicht lösbar (Dribblings, Täuschungen, Ausweichen, Sprünge, Richtungswechsel, Tacklings…)
Beweglichkeit:
Allgemeine: v.a. in Hüfte und Rumpf, um die schwierigen technischen Handlungen mit und ohne Ball optimal zu gestalten
Spezielle: für die speziellen technischen Fertigkeiten, z.B. Streckfähigkeit im Sprunggelenk für präzise flache Spannstöße/ Spreizfähigkeit der Beine für Hüftdrehstoß sowie Gleit und Spreiztackling/ Außenrotation in der Hüfte/ Rumpfbeweglichkeit für Kopfstoß und Dribblings…
Koordination:
Kopplungsfähigkeit: Teilkörperbewegungen optimal koordinieren
Orientierungsfähigkeit: Fallrückzieher, Raumdeckung, Luftzweikampf
Differenzierungsfähigkeit: Pässe mit Kraft, Effet, weniger Kraft…
Gleichgewicht: Zweikämpfe …
Reaktionsfähigkeit:
Antritt in den freien Raum je nach Spielsituation, verlorener Zweikampf, schnelles Umschalten…
Umstellungsfähigkeit: Andere Platzbedingungen, z.B. Kunstrasen
Rhythmisierungsfähigkeit: rhythmisches Dribbling
Spezielle Kondition

Schnelligkeitsausdauer:
insgesamt lang andauernde, sehr schnelle Ausführungen, z.B. schnelles Umschalten von Angriff auf Abwehr und umgekehrt ( anaerobe Kapazität)
Schnellkraft: die dominierende Krafteigenschaft im Fußball. Wichtig bei Sprints in den freien Raum oder bei Sprüngen zum Kopfball
Kraftausdauer:
Hohe Wiederholungszahlen von Antritten oder Sprüngen, daher ist ein gutes Kraftausdauerniveau wichtig, um über 90 Minuten diese Bewegungen explosiv ausführen zu können
Maximalkraft als Basis
on his way
© Jim Parkin – Fotolia.com
Michi SchuppkeDieser Artikel wurde am 15.Juni 2010 von geschrieben. Mehr über Michi Schuppke: Studiert habe ich Diplom-Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Leistungssport an der Technischen Universität München. Schon Studienbegleitend habe ich diverse berufsbegleitende Praktika und Honorartätigkeiten absolviert – der Höhepunkt war die knapp einjährige Tätigkeit als Honorartrainer beim Bayerischen Fußball Verband...


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